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Bericht einer betroffenen Mutter

Unsere Geschichte beginnt ähnlich, wie bei fast allen betroffenen Familien:
Bei unserem Zweitgeborenen, damals 16-jährigen Sohn, traten massive Verhaltensveränderungen auf, die wir anfangs der Pubertät zuordneten. Als aber Lügen, Stehlen und massiver Leistungsabfall dazukamen, merkten wir, dass etwas mit ihm nicht stimmte. Damals erfuhren wir, dass unser Sohn Cannabis rauchte.

Wir suchten alle Hilfesysteme auf, die uns bekannt waren. In der Erziehungsberatungsstelle wusste man sich keinen Rat, weil unser Sohn nicht bereit war mitzukommen. Man war dort der Meinung, dass wahrscheinlich mein Mann und ich eine Ehekrise durchleben und diese aufarbeiten sollten. Beim Jugendamt fand man, dass ab und zu „ein Joint eben zum „Ausprobieren“ und „Abgrenzen“ in die Pubertät gehört und wir maßlos übertreiben würden.“

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Zu viel Empathie stützt die Sucht

Aus: Süddeutsche Zeitung
- 5. August 2014 -
Stichwort: Co-Abhängigkeit

Zu viel Empathie stützt die Sucht

Wut und Scham, Hilflosigkeit und Schuld:
In Familien mit Drogenabhängigen leiden auch Angehörige unter der Suchtkrankheit. Wie Eltern in München versuchen, ihre Co-Abhängigkeit zu überwinden.

Von Andrea Schlaier

Mein Gott", sagt die Mittfünfzigerin und hebt den Blick von ihren Händen: "Er war ein Sandwich-Kind und immer schwieriger als seine Geschwister. Und dass er oft so aufbrausend reagiert hat, hab' ich auf die Pubertät geschoben." Nie wäre sie draufgekommen, dass etwas anderes dahinter stecken könnte. "Ganz davon abgesehen, hab' ich zu der Zeit selbst genug Probleme gehabt."

Die dreifache Mutter steckte mitten in der Scheidung und war froh, dass die Kinder auf dem Gymna-sium gut mitgekommen sind. Bestes Umfeld, bürgerliche Beamtenfamilie, gesicherte Verhältnisse, bis auf die in die Brüche gehende Ehe. "Und dann", sagt die Frau und gibt einen Laut von sich, der in guten Zeiten als kurzer Lacher durchgehen könnte, "dann hat er doch tatsächlich noch andere Eltern über Drogen aufgeklärt. Ich war stolz auf meinen Sohn."

Es lag außerhalb ihrer Vorstellungskraft, dass der Bub schon mit 14 das erste Mal im Zeltlager gekifft hatte und vor der Schule Hasch-Kaba verkaufte. Johanna Brüx (Name von der Redaktion geändert) sitzt in einem Raum des Alten-und Servicezentrums München-Laim, einem frisch sanierten Haus in-mitten einer in die Jahre gekommenen sozialen Wohnsiedlung.

Hier trifft sich alle zwei Wochen der Elternkreis suchtkranker und suchtgefährdeter Söhne und Töch-ter München e. V. Die Teilnehmer aus dem Großraum München haben eines gemeinsam: Ihre Kinder sind suchtkrank, und zwar seit Jahren oder Jahrzehnten. Die neun Personen, die sich an diesem Abend an den zusammengeschobenen Resopal-Tischen getroffen haben, kennen sich teilweise seit Jahrzehnten. Das älteste Sorgenkind hat gerade 50. Geburtstag gefeiert.

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